aktuell: Tunesien nach den Wahlen

„Ich bin mir selbst ein unbekanntes Land

Und jedes Jahr entdeck ich neue Wege

Mal wandere ich durch meilenweiten Sand

Und mal durch blütenquellende Gehege......“

Ihr lieben Wüstenfreunde

Zurück aus dem meilenweiten Sand in die blütenquellenden Gehege möchte ich euch nochmal ein besonders herzliches SHOKRAN * Danke * schicken. An alle, die mich auf meinen Reisen begleitet haben und an alle die meine Arbeit durch Spenden, ermutigende Worte und begleitende Gedanken unterstützt haben.

Es war wahrlich ein besonderes Reisejahr inmitten turbulenter Zeiten, voller Wandlung, voller Hoffnung und voller Sorge.

Meine letzte Reise jetzt im April, hinterließ neben all der innigen Herzlichkeit mit den Beduinen und der immer von neuem faszinierenden und berührenden Schönheit der Wüste, auch einen Schatten sorgenvoller Anteilnahme in meinem „Beduinenherz“. Die stille Nachdenklichkeit von Khalifa und die tiefe Dankbarkeit der Beduinen über mein Bemühen, ihnen über dieses schwierige Jahr hinweg zu helfen, erzählen mehr als viele Worte.

Die anfängliche Euphorie nach der Revolution, die im Februar noch alle beflügelte, ist der Erkenntnis gewichen, dass Veränderungen Zeit brauchen und besonders den Menschen im Süden, die schon immer am unteren Rand der Gesellschaft standen, einen hohen Preis abverlangen. Durch den andauernden Krieg in Libyen bleiben noch immer die so dringend benötigten Touristen aus, die Städte wirken leer, viele Läden bleiben geschlossen und viele Menschen sind seit Jahresbeginn ohne Einkommen. Die Südtunesier sind am nächsten verbunden mit den Menschen in Libyen, tausende haben dort ihre Arbeitsplätze verloren, sie leiden mit der Bevölkerung jenseits der Grenze und versuchen zu helfen, so gut sie können.

Es gibt eigentlich keinen Grund jetzt nicht in Tunesien Urlaub zu machen: Es ist völlig ruhig und sicher im Land, jeder ist hilfsbereit, offen und  herzlich...manche auch zu Recht enttäuscht.

Auch Khalifa und mit ihm die Kamelführer haben viel Arbeit verloren, weil die anderen Gruppen aus Deutschland/ Holland und Schweiz nicht fliegen wollten oder konnten. Seit Dezember war ich die einzige, die kam, bis auf eine 1-wöchige andere Gruppe jetzt im April. Nun ist Sommerpause und zu alledem liegt Ramadan – die 4-wöchige Fastenzeit –

in diesem Jahr im August, wo es so heiß ist, dass niemand nebenher arbeiten kann. So hat Khalifa beschlossen, einen Teil des Geldes, das ich ihm gab, aufzubewahren und es im August zu verteilen, damit es – Inshallah – reicht bis Oktober, wenn hoffentlich wieder mehr neue Gruppen kommen und die Datteln reifen...

Die Beduinen sind gewohnt, Durst strecken  auszuhalten, zu teilen was da ist und das Leben anzunehmen, so wie es gerade ist, ohne die Freude, die Zuversicht und den Glauben an eine höhere Ordnung zu verlieren.

Ich werde immer mal wieder gefragt, ob ich nicht ein Spendenkonto einrichten möchte und habe das immer abgelehnt. Natürlich freue ich mich für die Beduinen, wenn die ein oder andere Spende in meinem „SOS - Beduin – Umschlag“ nach Tunesien wandert und Khalifa dadurch die Möglichkeit hat, bei Notfällen einzugreifen und seine Großfamilie einigermaßen sicher zu führen. Aber meine Aufgabe und mein Anliegen ist es, den Menschen dort zu einer gut bezahlten Arbeit zu verhelfen, meine Freude und meine Lieder mit ihnen zu teilen und zugleich Menschen von hier eine wunderbare Erfahrung zugänglich zu machen. Dadurch entsteht ein Austausch von gegenseitigem Geben und Nehmen, weit über die materielle Ebene hinaus. Und somit bleibt es für mich und für die Beduinen die größtmögliche Unterstützung, wenn ihr von den Reisen und euren Erfahrungen anderen erzählt oder, was mich immer besonders freut, selbst wieder mitkommt ~~~Inshallah!

Darum habe ich mich auch gleich über den Kalender gebeugt und viele neue Termine gemacht!  Yallah, Yallah ~~~~

Ich werde im Mai nochmal ohne Gruppe nach Tunesien reisen und eine Woche in Khalifas Familie im Dorf verbringen. Ich freue mich sehr auf die Begegnung mit den Frauen, den Kindern, mehr Zeit für Gespräche, gemeinsames Lachen , Kochen, Sand fegen...die Stimmen der Tiere, das Leben erlauschen, erspüren, so wie es gerade ist!

Möge die Wüste mit ihrem Frieden euer Herz bewohnen

Möge der Frühling mit seiner Leichtigkeit euer Leben beflügeln

Möge mein Dank, leise wie ein Tautropfen, in eure Hände fallen